Ute Krüger – Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Prenzlauer Berg

Ängste

Das Auftreten von Ängsten ist eigentlich ein zu weites Thema als das man versuchen sollte, Bedeutung und Auswirkung kurz zusammenzufassen. Und dennoch:

Angst empfinden zu können kann lebensrettend sein, denn sie macht uns wach für die Gefahr, die wir wahrgenommen haben. Wir bemerken dann häufig verstärktes Herzklopfen und Unruhe. Wir könnten also loslaufen, aber gut planen und uns konzentrieren können wir uns in solchen Momenten nicht. Wenn wir wissen, wovor wir uns fürchten, können wir uns als Erwachsenen damit auseinandersetzen, uns dann auch selbst beruhigen.

Kindern fällt es aber viel schwerer, ihre Angst in Worte zu fassen und sich mitzuteilen. Ältere Kinder und Jugendliche schämen sich häufig ihrer Angst und ziehen sich vor der Umwelt zurück in dem Versuch, die angstauslösenden Situationen zu vermeiden. Gerade bei Übergängen in eine neue Entwicklungsphase treten bei sensibleren Kindern zeitweilig Ängste auf, die zwar belastend sein können, aber als Teil der Gesamtentwicklung auch wieder abklingen und dann auch keiner speziellen psychotherapeutischen Behandlung bedürfen.

Entwickelt das Kind aber nachhaltige Ängste in Trennungssituationen, z.B. beim Übergang von der Betreuung zuhause in Kita oder Schule wird sich das Kind in der neuen Gruppe vielleicht nur wenig positive Erfahrungen machen, zieht sich womöglich immer mehr zurück und beginnt zu leiden. Betroffene Kinder neigen aus diesem Stress heraus zu vermehrtem Kranksein zumal sie die Erfahrung machen, dass sie dann zuhause bleiben dürfen.

Spricht man mit späteren Schulverweigerern zeigt sich oft eine solche Vorgeschichte.

Häufigere Formen der Angst ab Jugendlichenalter sind:

- die soziale Phobie (Angst vor neuen Sozialkontakten mit Gleichaltrigen und Angst vor unbekannten sozialen Situationen)

- die Agoraphobie (die sog. Angst vor großen Plätzen, die eigentlich eine Angst davor ist, auf diesen großen Plätzen unter den vielen Menschen verloren zu gehen und nicht mehr allein nach Hause zu können)

- die generalisierte Angststörung (die Betroffenen sind ständig in Angst vor der vermeintlich schlechten Zukunft, eigenen Krankheiten und Erkrankungen der Familie)

- Panikattacken (in scheinbar zufälligen Situationen plötzliche schwere Angstattacken mit starken körperlichen Reaktionen wie Herzklopfen, Schweißausbrüche und Schwindelgefühl, die nicht selten zur Vorstellung beim Hausarzt führen.

Je schneller Ängste diagnostiziert werden desto schneller kann dem betroffenen Kind geholfen werden. Das Mittel der Wahl ist eine Psychotherapie, in schweren Fällen kann –allerdings nur zusätzlich- auch eine medikamentöse Therapie überlegt werden.

Ziel der Therapie wäre, langsam erneut Zuversicht und Lebensfreude zu entwickeln und die Fesseln der Angst abzustreifen, die das Kind in seiner Entwicklung lähmen.

weiterführende Links

www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/II/II_kjpp.htm

Literatur

Specht, M., Wenn Kinder Angst haben- Wie wir helfen können (2011)

Schmidt-Traub, S., Selbsthilfe bei Angst im Kindes- und Jugendalter: Ein Ratgeber für Kinder, Jugendliche, Eltern und Erzieher ( 2010)