Ute Krüger – Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Prenzlauer Berg

Autismus

Heute spricht man nicht mehr vom Autismus sondern von der sog. Autismus-Spektrum Störung. Der Begriff weist auf die Vorstellung hin, dass die typischen Symptome im sozialen und kommunikativen Verhalten in ihrer individuellen Ausprägung über eine große Spannbreite verteilt sind. Das Verhalten von Kindern und Jugendlichen mit „Autismus Spektrum Störung“ kann also von leichteren Verhaltensproblemen an der Grenze zur Unauffälligkeit (oft als „Schüchternheit“ verkannt) bis hin zur schweren Beeinträchtigung im Beziehungsverhalten mit heftigen Wutausbrüchen in unbekannten Situationen reichen. Jedoch sind längst nicht alle Kinder, die vereinzelte für Autismus typische Verhaltensweisen zeigen, diagnostisch auch so einzuordnen.

Glücklicherweise gibt es zur Diagnostizierung inzwischen ein streng standardisiertes Verfahren aus Elternfragebögen und standardisierter Spielbeobachtung, dessen fachgerechte Anwendung und Auswertung zwar aufwendig ist, jedoch Fehler bei Stellung der Diagnose nahezu ausschließt. Die Kosten für die Diagnostik werden -wie auch in allen anderen Bereichen der kinder-und jugendpsychiatrischen Erkrankungen- von Ihrer Krankenversicherung übernommen.

Die Ursache für das Auftreten des Autismus ist letztlich immer noch ungeklärt, man geht aber von einer deutlichen genetischen Veranlagung aus.

Was unterscheidet ein autistisches Kind von anderen Kindern?

Autistische Kinder sind in ihrem Wahrnehmungsverhalten bzw. in der Verarbeitung von Reizen aus ihrer Umgebung grundsätzlich beeinträchtigt, weshalb der Autismus zu den sog. „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gezählt wird.

Heute geht man davon aus, das die Betroffenen nicht- wie andere Kinder- über ein angeborenes „inneres Programm“ verfügen, mit dessen Hilfe sie Andere emotional verstehen können. Es fehlt ihnen die Möglichkeit, aus Mimik und Gestik ihrer Bezugspersonen Informationen über dessen Gestimmtheit abzuleiten, mit anderen Situationen zu verknüpfen und entsprechend der Vorerfahrungen zu antworten. So werden autistische Säuglinge ggf. auch auf das Lächeln der Mutter nicht antworten, sondern möglicherweise ihr Gesicht abwenden.

Da autistische Kinder aufgrund dieser Verarbeitungsstörung nur sehr eingeschränkt aus sozialen Erfahrungen lernen können ist es ihnen weder möglich, sich in Andere hineinzuversetzen noch können sie neue Situationen mittels „improvisieren“ meistern.

Die spontane Gestaltung neuer Beziehungen und unbekannter Situationen an fremden Orten ist in der Regel eine Überforderung für die Kinder. Das Fremde bleibt bedrohlich und führt zu hoher Anspannung und Angst. An die engsten Bezugspersonen sind die Kinder jedoch meist intensiv gebunden.

Warum ist es so wichtig, möglichst frühzeitig die Diagnose zu stellen?

Zwar sind die Autismus-Spektrum Störungen nicht grundsätzlich heilbar. Die Kinder können jedoch durch speziell für diese Störung entwickelte Verhaltenstherapien einen nicht geringen Teil dessen erlernen und trainieren, was ihnen an „innerem Programm“ nicht gegeben war.

Je früher die Therapien einsetzen desto bessere Erfahrungen können die Kinder in ihrer Umwelt machen und desto wahrscheinlicher wird eine gute Integration in Kita, Schule und späterer Ausbildung . Die Lebensqualität und die Chance zu einem selbstbestimmten Leben kann so trotz Erkrankung durchaus gut sein.

weiterführende Links

www.myhandicap.de/Asperger

www.autismus.de

www.uni-koblenz.de

Literatur

Attwood, T., Das Asperger-Syndrom. Ein Ratgeber für Eltern (2000)

Poustka, F., Ratgeber Autistische Störungen (2009)

Prof. Dr. Dr. Remschmidt, H., Autismus“ Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen

(2008)